Grundlagen: "Reflexion im Sachunterricht"

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Course: GS-SUG-SLK Reflexion im Sachunterricht
Book: Grundlagen: "Reflexion im Sachunterricht"
Printed by: Gast
Date: Thursday, 16 April 2026, 9:34 PM

1. Definition

Definition nach Köhler/Weiß.

 Katja Köhler und Lorenz Weiß haben in ihrem Buch „Mit Kindern kompetenzorientiert über Lernen sprechen" auf Seite 13 wie folgt formuliert: „Reflexion in der Schule bezeichnet das individuelle und in der Kleingruppe oder im Klassenverband auch kollektive Nachdenken und –fühlen vergangener Lernhandlungen, um aus dem Nachdenkprozess Erkenntnisse zu ziehen und je nach Zielstellung weitere tatsächliche Handlungsschritte abzuleiten" 

Es geht also um das Nachdenken und -fühlen über die tatsächlichen Lernhandlungen der Unterrichtsstunde. Dies kann allein, in der Kleingruppe oder im Plenum stattfinden mit dem Ziel, Erkenntnisse für weitere Handlungsschritte zu gewinnen.   

 

 

2. Begründung für Reflexion im Sachunterricht

Hattie Visibile Learning

John Hattie entwickelte in seiner wegweisenden Metastudie Visible Learning – Lernen sichtbar machen“  eine Rangliste verschiedener Einflussfaktoren auf den schulischen Lernerfolg, indem er die Einflüsse aus zahlreichen Meta-Analysen in Bezug auf ihre Effektstärke untersuchte. Er ordnete diese Einflüsse auf einer Skala von sehr positiven Effekten bis zu negativen Effekten für das Lernen in der Schule. Hattie stellte fest, das der durchschnittliche Effekt aller Einflussgrößen, die er untersuchte, 0.40 beträgt. Er entschied sich deshalb dafür, den Erfolg von schulischen Interventionen auf den Lernerfolg relativ zu diesem ‚hinge point‘ zu bewerten, um eine Antwort auf die Frage zu finden „Was bringt wirklich etwas in Bezug auf den Lernerfolg?

Der Grafik kann entnommen werden, dass Die Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus den höchsten Effekt auf den Lernerfolg hat. Damit ist nicht nur gemeint, sich anhand einer Notenskala einzuschätzen, sondern darüber nachzudenken, wie das eigene Leistungsniveau anhand von Kriterien aussieht.

Daraus können Schlüsse gezogen werden, die das eigene Lernhandeln postiv beeinflussen: Wie sind wir vorgegangen? War dieser Weg erfolgreich? Warum? Warum nicht? Was können oder müssen wir verändern? 

3. Begründung für Reflexion

Begründung

Das Nachdenken über das eigene Lernhandeln schafft für die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für den eigenen Lernprozess:

  • Was kann ich?
  • Was brauche ich für die Weiterarbeit?
  • Was hat geholfen? 

Diese Prozesse werden verbalisiert und somit für die Schülerinnen und Schüler sichtbar, als auch für die Lehrkraft. 

Für die Lehrkraft ermöglicht Reflexion eine Evaluation des Unterrichts

  • Haben das gestellte Angebot, die Methode, dazu geführt, dass Fragen/ die Aufgabe beantwortet wurden?
  • Haben die Lernenden in dieser U-Stunde ein weiteres Puzzlestück zur Beantwortung der HLFA erworben?

Es können Konsequenzen für die Weiterarbeit gezogen werden: inhaltlich wie auch methodisch/ organisatorisch.

Es wird ebenfalls deutlich, wo weitere/ vertiefende konstruktive Unterstützung notwendig ist, damit die Schülerinnen und Schüler die angestrebten Kompetenzen entwickeln können. 

4. Worüber kann reflektiert werden?

Worüber

Worüber kann im Sachunterricht reflektiert werden? 

Grundsätzlich gibt es 4 Dimensionen, die reflektiert werden können

  • Die inhaltliche Dimension bzw. das Fachwissen. Worum ging es in dieser Stunde? Welche Erkenntnisse haben die Schülerinnen und Schüler erworben, wie können diese in Bezug zur HLFA eingeordnet werden.

  • Die soziale Dimension reflektiert werden, also die Sozialkompetenz. Hier kann die Arbeit in Partnerteams oder Kleingruppen anhand von gemeinsam bestimmten Kriterien untersucht werden. Kooperatives Arbeiten bedeutet immer, die sozialen Prozesse zu beleuchten und sichtbar zu machen. 

  • Im Sachunterricht ist es darüber hinaus möglich, die methodische Dimension, die Methodenkompetenz  zu reflektieren: Hier liegt der Fokus auf den perspektivbezogenen bzw. perpektivübergreifenden Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen, aber auch auf Lernstrategien, die angewendet wurden.

  • Und zuletzt ist auch eine Reflexion über die Selbstkompetenz, also der individuellen Dimension möglich. Wie konnte ich mich organisieren? Wie habe ich selbstständig gearbeitet? War ich in der Lage zielgerichtet zu arbeiten? 

5. Auswahl des Inhalts der Reflexion

Auswahl Inhalt Reflexion

Wie weren nun die für die Stunde richtige Dimensionen/ die passenden Kompetenzbereiche für die Reflexionsphase ausgewählt? 

  • Grundsätzlich richtet sich die Reflexion auf die Intention der Unterrichtsstunde in Bezug zur HLF/A:  Worum geht es? Was wird in der Hinführung eröffnet, in den Mittelpunkt gerückt? Wie hilft uns diese Stunde bei der Beantwortung der HLF/A

Um die inhaltliche Dimension zu reflektieren eigenen sich Impulse wie: 

  • Wie helfen uns die Erkenntnisse weiter?
  • Wie geht es inhaltlich weiter im Verlauf der HLF/A ? Müssen weitere ELA eingefügt werden? 
  • ...

Wenn in der Hinführung nochmals der Fokus auf gelingende Arbeit mit Partnerinnen bzw. Partnern oder Gruppenarbeit gelegt wurde (weil dies vielleicht neu eingeführt wurde oder derzeit Schwierigkeiten bereitet), dann richten sich die Impulse der Reflexionsphase auch auf die Soziale Dimension gerichtet: 

  • Welches Kriterium gelungener Parnter- oder Gruppenarbeit konntet ihr umsetzen und wie habt ihr das gemacht? 
  • Wo waren noch Schwierigkeiten? 
  • ... 

Wenn eine neue Denk-, Arbeits- und Handlungsweise,  eine neue Methode eingeführt oder nach längerer Zeit wiederholt wurde, dann kann der Fokus der Reflexion auf dieser Denk-, Arbeits- und Handlungsweise, der methodischen Dimension, liegen: 

  • Wie seid ihr vorgegangen? Was war schwierig?
  • Welches Kriterium hast du berücksichtigt? Wie konntest du es umsetzen?  
  • Hat die Methode sich geeignet, um xy zu untersuchen/ etwas herauszufinden...? 
  • ... 

Und sollte selbstständiges Arbeiten z.B. in einem Forschertagebuch Schwerpunkt der Einheit sein, dann bietet es sich u.U. an, die Selbstkomptenz in den Blick zu nehmen.

Die Reflexion ist also immer auf die Intention gerichtet und damit auch auf die HLFA der Unterrichtseinheit.

6. Wie kann reflektiert werden?

Wie?

Das Nachdenken über die eigenen Lernhandlungen im Unterricht muss organisiert werden. Schülerinnen und Schüler müssen erst lernen, über Lernen nachzudenken und dies zu verbalisieren.

Hierzu gibt es ein zahlreiches Angebot an Reflexionsmethoden, die alle unterschiedliche Schwerpunkte haben. Diese werden im zweiten Teil des Selbstlernkurses werden Reflexionsmethoden vorgestellt und Merkmale erläutert, anhand derer eine Methode ausgewählt werden kann.

Grundsätzlich dienen Reflexionsmethoden

  • zur Visualisierung
  • zur Unterstützen der Verbalisierung und 

können eine individuelle bzw. kollektive Reflexion ermöglichen. 

Die Qualität einer Reflexionsphase wird nicht durch die Methode oder deren Material bestimmt. Oft reicht das Gespräch im Sitzkries, in dem alle Kinder zu Wort kommen, aus. 

7. Alle Kinder ansprechen

alle ansprechen

Unsere Aufgabe als Lehrkraft ist, alle Kinder der Klasse zum Nachdenken über die eigenen Lernhandlungen anzuregen. Es herrscht Verbindlichkeit; jede/r muss über das Lernen in Bezug zum gesetzten Impuls nachdenken und seine Gedanken äußern. Ein Zufallslos ist hier nicht zielführend, da Sie das Gespräch nicht vernetzen können. 

Dies kann ich erreichen, indem ich

  • einen Austausch im DAB zum Impuls organisiere
  • ein Gespräch im Sitzkreis mit von mir im Vorfeld zur HLA/ELA/ Intention/ angestrebter Kompetenz vorbereitetend Impulsen führe
  • die Kinder sich mit einem Muggelstein/ Klammer innerhalb einer Reflexionsmethode verorten lasse
  • schriftlich reflektieren lasse

Da Reflexion bedeutet, Konsequenzen abzuleiten, ist das Nachfragen, das Einfordern von Begründungen unerlässlich: Warum hast du dich so eingeschätzt? Wie bist du vorgegangen? 

Hierbei können Kriterien sowie Satzanfänge konstruktiv unterstützen. 

Auf dem Übersichtsblatt "Weiterführende Fragen" finden Sie Möglichkeiten, um Begründungen einzufordern.

8. Wann kann ich im Unterricht reflektieren?

Wann

An welcher Stelle im Unterricht macht eine Reflexion nun Sinn?

Wie schon in den Ausführungen zur Auswahl der geeigneten Dimensionen der Reflexion dargestellt, bezieht sich die Reflexion auf die Intention der Stunde, auf das Ziel in Bezug zur HLFA oder die angestrebte Kompetenzentwicklung (sofern nicht in der Intention benannt). 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in welcher Phase des Unterrichts Reflexion sinnhaft ist: 

Es ist möglich innerhalb der Arbeitsphase eine Zwischenreflexion einzuschieben:

  • Es ist aktut etwas im Unterricht aufgetreten, was für alle besprochen werden muss. 
  • Eine Methode wurde neu eingeführt und eine Zwischenreflexion ist für das weitere Arbeiten in der Arbetisphase sinnvoll. 
  • ...

Ebenso kann am Ende der Stunde, nach der Besprechung der Arbeitsphase, reflektiert werden – man schaut also am Ende auf die Stunde und denkt dann über die Lernhandlungen nach. 

Eine weitere Möglichkeit ist, die Reflexion in die Besprechung der Arbeitsergebnisse einzufügen. Präsentierende Gruppen erläutern ihr Vorgehen, ausgehend davon werden die anderen SuS mit einbezogen.

Eine Reflexion vor Besprechung der Arbeitsergebnisse kann auch sinnvoll sein, wenn ein Problem, das alle betraf, vorweg genommen werden soll, um danach die inhaltlichen Ergebnisse und ggf. methodisches Vorgehen zu thematisieren. 

9. Übersicht Planungshilfe Reflexion

ÜBersicht

Die Grafik wird von links nach rechts betrachtet.

Zunächst werden die Dimensionen / eine Kompetenzen ausgewählt, die in der Reflexion reflektiert werden sollen. Die Reflexionsfragen/ der Reflexionsgegenstand wird in der Hinführung genannt und eventuelle visualisiert. 

Dabei ist neben einer sorgfältigen Planung auch eine flexible Reaktion auf ggf. Änderungen und Besonderheiten im Unterrichtsverlauf wichtig, um die Reflexion ggf. darauhin spontan anzupassen.

Mögliche Schwierigkeiten und Antworten der Lerndenden können bereits in der Planung mitbedacht werden. 

Ausgehend von den geplanten Dimensionen /Kompetenzen wird nun eine zur Intention, angestrebten Kompetenzentwicklung passende Impulsfrage formuliert, anhand derer die Schülerinnen und Schüler über ihre Lernhandlungen nachdenken sollen. Dabei werden weiterführende und vertiefende Nachfragen von der Lehrkraft mitgedacht. 

Damit die Schülerinnen und Schüler über die Impulsfragen nachdenken und ihre Gedanken auch verbalisieren können, sind Kriterien, die von Anfang an allen bekannt sind, wichtig.

  • Welche Regel der Partner-/Gruppenarbeit hat euch heute geholfen? 
  • Wie habt ihr xy gemacht? 
  • An welchem Kriterium für die Sachzeichnung habe ich heute besonders gearbeitet? Wie habe ich dies geschafft? 
  • ...

Des Weiteren können Satzanfänge und sprachliche Hilfen Schülerinnen und Schüler bei der Verbalisierung unterstützen. 

In Bezug zu diesen bereits getroffenen Entscheidungen werden weitere Überlegungen getroffen, die die Auswahl einer möglichen Reflexionsmethode betreffen.

  • Ist eine individuelle Reflexion wichtig?
  • Soll mit der Klasse gemeinsam reflektiert werden? 
  • Wie werden alle verbindlich angsprochen
  • Welche Methode passt zu meiner Impulsfrage? 

Weitere Informationen hierzu finden Sie im nächsten Teil des Kurses.

10. Literatur

Literatur